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FORUM 1–2018

Projektskizzen: Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung im Kontext Flucht und Migration

Projekt »Sexualaufklärung und Familienplanung im interkulturellen Kontext«

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Bereits seit vielen Jahrzehnten ist unsere Gesellschaft davon geprägt, dass Menschen zuwandern. Die besonders seit 2015 verstärkte Ankunft von geflüchteten Menschen hat zu neuen Handlungsbedarfen und zu Entwicklungsprozessen geführt. Um Antworten auf die neuen Herausforderungen zu finden, wurden und werden in vielen Projekten neue Ansätze erprobt. Für Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen standen zunächst häufig sehr kurzfristige und dringliche Beratungen sowie Fragen der »Erstversorgung« im Vordergrund. Mittlerweile geht es auch um Fragen der Integration.

Das Projekt »Sexualaufklärung und Familienplanung im interkulturellen Kontext« setzt im Handlungsfeld Sexualaufklärung, Gesundheitsprävention und Familienplanung an: Ziel ist, die Themen Schwangerschaft, Geburt, Sexualität, Geschlechterrollen und reproduktive Gesundheit im Kontext von Flucht und Migration aufzugreifen und konzeptionelle Ansätze in diesen Bereichen weiterzuentwickeln. Es wird durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gefördert. Die Praxisbegleitung mit standortübergreifenden Evaluations- und Entwicklungsworkshops wird durch das Land Rheinland-Pfalz gefördert. Drei erfahrene Träger der Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungentwickeln und erproben im genannten Handlungsfeld folgende Schwerpunkte:

  • Die Entwicklung und Erprobung von Qualifizierungsmaßnahmen für Fachkräfte und Multiplikatorinnen/Multiplikatoren im Handlungsfeld reproduktiver Gesundheit im interkulturellen Kontext. Hier stehen Themen im Fokus wie etwa sexuelle Sozialisation, selbstbestimmte Sexualität, Familienplanung, Übernahme von Verantwortung, Beziehungen und Geschlechter rollen oder Pflichten und Rechte von Männern und Frauen in Deutschland. Ziel ist die Vermittlung von Wissen, Sprachfähigkeit und Konzept-, Methoden- und Handlungskompetenz für Fachkräfte.
  • Weitere Schwerpunkte sind die Erschließung und Erprobung von gelingenden Zugängen, die Entwicklung von niedrigschwelligen Kontaktangeboten sowie die Initiierung und Erprobung von Begegnungsangeboten, thematischer Gruppenarbeit und geeigneten Methoden.
  • Im Fokus steht auch die Verknüpfung und Vernetzung verschiedener Akteure untereinander und die bedarfsgerechte Angebotserweiterung vor Ort mit dem Fokus auf reproduktiver Gesundheit. Diese Maßnahmen richten sich an Beratungsdienste und Institutionen genauso wie an Ehrenamtliche aus unterschiedlichen Herkunftsländern und sozialen Communitys.
  • Für Themen wie Sexualerziehung, Körperwissen, Verhütung, Schwangerschaft und Geburt oder reproduktive Gesundheit wird das Portal Zanzu der BZgA eingesetzt und in der Beratungspraxis erprobt. Die Erfahrungen und etwaige Weiterentwicklungsbedarfe werden gebündelt und ausgewertet; sie fließen in ein Praxishandbuch ein.

Beteiligte Projektpartner und Standorte:

  • Caritasverband Mainz e. V., Projektstandort: Schwangerschaftsberatungsstelle in Wörrstadt
  • Diakonisches Werk Pfalz, Projektstandort: Haus der Diakonie in Speyer
  • pro familia, Landesverband Rheinland-Pfalz, Projektstandorte: Trier und Mainz

Erste Erfahrungen

Die drei Projektträger haben die erste Projektphase vor allem genutzt, um verlässliche Netzwerke und Kooperationen auf- oder auszubauen, spezifische Bedarfe wahrzunehmen, passende Angebotsformate zu entwickeln oder zu optimie ren, Zugänge zu erschließen und zu erproben sowie Erfahrungswerte für die Konzipierung von Veranstaltungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu generieren. Außerdem haben sie Herausforderungen und künftige Ent wicklungsbedarfe identifiziert und erste Erfahrungswerte für die Erstellung eines Praxishandbuchs zu zentralen Frage stellungen gesammelt: etwa zur Erschließung und Erprobung von gelingenden Zugängen und zur Entwicklung von niedrigschwelligen Kontaktangeboten.

Von grundsätzlicher Relevanz ist die Sensibilisierung für stereotype Zuschreibungen oder Zuordnungen: Dieser Aspekt erfordert, die geflüchteten Menschen nicht als homogene Zielgruppe wahrzunehmen, sondern jeden Men schen als individuell geprägtes Gegenüber zu sehen. Zwar gibt es übergreifende Erfahrungen und Belastungsfaktoren, die eine besondere Vulnerabilität ausmachen. Hierzu gehören neben belastenden Erfahrungen im Herkunftsland oder auf der Flucht auch die Rahmenbedingungen nach der Ankunft in Deutschland. Neben sprachlichen Barrieren und fehlenden Systemkenntnissen stellt sich als besonders belastender Faktor eine unklare Bleibeperspektive dar.

Die konkrete Beratungssituation beinhaltet, die jeweilige Person mit ihren konkreten Bedürfnissen zum Ausgangspunkt zu nehmen, ohne die Rahmenbedingungen aus dem Blick zu verlieren. Um bestehende Zugangsbarrieren aufzulösen, intensivieren die Projektträger nicht nur unterschiedliche Zugangswege und die Kooperation mit weiteren Akteuren. Es zeigt sich, dass die Frage nach zugangsverhindernden oder zugangsfördernden Bedingungen grundsätzlicher gestellt werden muss, verstanden nicht nur als interkultureller Öffnungsprozess, sondern als Prozess einer Diversitäts- und Diskriminierungssensibilität.

Um Transferimpulse zu generieren, werden im Verlauf der Projektumsetzung ein Praxishandbuch sowie ein Rahmenkonzept für Qualifizierungsstandards für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren entwickelt. Vorgesehen ist eine zweijährige Laufzeit bis Frühjahr 2019. Die gemeinsame Praxisbegleitung aller drei Standorte mit unterschiedlichem Profil ermöglicht hierbei eine breit aufgestellte Praxiserprobung und -entwicklung und bietet einen adäquaten Rahmen für Qualitätsentwicklungsprozesse.

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Veröffentlichungsdatum

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Martina Dreibus
Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz
Referat 734
Kaiser-Friedrich Straße 5a
55116 Mainz
martina.dreibus(at)mffjiv.rlp.de
www.mffjiv.rlp.de

Alle Links und Angaben zu Autorinnen und Autoren beziehen sich auf das Erscheinungsdatum der jeweiligen Druckausgabe und werden nicht aktualisiert.

Herausgebende Institution

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FORUM 1–2018

Kontext: Flucht

Für den besseren Schutz von Frauen und Kindern haben das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Kinderhilfswerk UNICEF im Januar 2017 die Bundesinitiative »Schutz von Frauen und Kindern in Flüchtlingsunterkünften« ausgebaut und insgesamt 100 Koordinatorenstellen für Gewaltschutz gefördert.
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